Eine gute Onlineshop Beratung entscheidet oft darüber, ob ein Shop nur online ist oder wirklich verkauft. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Agenturen vergleichen, Angebote bewerten und mit klaren Kriterien die beste Partnerwahl treffen.
Was Onlineshop Beratung leisten sollte (und was nicht)
Onlineshop Beratung ist mehr als ein Technikprojekt. Eine starke Agentur hilft Ihnen, aus Geschäftszielen konkrete Maßnahmen abzuleiten: Positionierung, Sortiment, Pricing-Logik, Customer Journey, Marketingkanäle, Tracking und ein stabiler Betrieb. Der größte Nutzen entsteht, wenn Beratung, Konzeption und Umsetzung zusammen gedacht werden. Achten Sie darauf, dass nicht nur „der Shop gebaut“ wird, sondern dass Prozesse, Inhalte und Wachstum mitgeplant sind.
Zum Leistungsbild gehören typischerweise: Analyse des Ist-Zustands, Zieldefinition, Auswahl von Plattform und Integrationen, Informationsarchitektur, UX-Konzept, Content- und SEO-Basics, Checkout-Optimierung sowie ein belastbarer Plan für Tests und Iterationen. Gerade das Thema Conversion gehört zwingend auf die Agenda. Wer hier strukturiert arbeitet, kann häufig bereits mit kleinen Änderungen messbare Effekte erzielen. Passend dazu lohnt sich ein Blick in den Artikel zur Conversion Rate, um ein gemeinsames Verständnis der Kennzahlen aufzubauen.
Was Onlineshop Beratung nicht sein sollte: ein reines Bauchgefühl-Projekt ohne Hypothesen, Messpunkte und Priorisierung. Vorsicht auch bei Beratungen, die ausschließlich ein bestimmtes System verkaufen, ohne Alternativen fair zu prüfen. Ebenso problematisch: Versprechen wie „Platz 1 bei Google in 4 Wochen“ oder „Conversion verdoppeln garantiert“ ohne Datenbasis. Eine seriöse Agentur formuliert Chancen, Risiken und Annahmen transparent und dokumentiert, wie Entscheidungen zustande kommen.
Ergebnisorientierung statt Feature-Liste
Gute Beratung übersetzt Features in Wirkung: weniger Warenkorbabbrüche, höhere durchschnittliche Bestellwerte, bessere Wiederkaufraten. Fragen Sie nach konkreten Hebeln und priorisierten Roadmaps statt nach einer endlosen Wunschliste.
Strategische Passung: Ziele, Zielgruppen und Geschäftsmodell klären
Bevor Sie Agenturen vergleichen, sollten Sie intern Klarheit schaffen. Denn die beste Agentur kann nur so gut beraten, wie Ihre Ziele definiert sind. Starten Sie mit einer kurzen, schriftlichen Zielmatrix: Umsatz- und Deckungsbeitragsziele, Marge je Kategorie, gewünschte Akquisekanäle, internationale Expansion, B2B oder B2C, wiederkehrende Käufe, Abhängigkeiten vom stationären Handel. Daraus ergibt sich, welche Expertise wirklich zählt, etwa Performance-Marketing, Produktdatenmanagement oder B2B-Checkout-Prozesse.
Auch Ihre Zielgruppe muss greifbar sein: Wer kauft, warum, mit welchen Einwänden, über welche Geräte und in welcher Situation? Diese Fragen beeinflussen Navigation, Suchfunktion, Produktseiten, Trust-Elemente und den Ton Ihrer Inhalte. Viele Agenturen arbeiten hier mit Personas, Journey Maps und Wettbewerbsanalysen. Das ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für gute Prioritäten.
Ein weiterer Kernpunkt ist Ihre Markenpositionierung. Wenn Ihr Shop austauschbar wirkt, wird Preis zum Hauptargument. Deshalb sollte Onlineshop Beratung auch Markenarbeit berücksichtigen: Design-System, Bildsprache, Tonalität, Werte, USPs. Dazu passt der Hintergrundartikel zur starken Markenidentität, der zeigt, wie Konsistenz Vertrauen aufbaut.
Für Gründer und Teams in der frühen Phase ist außerdem wichtig, dass Beratung Budgetrealitäten und Umsetzungskapazität berücksichtigt. Eine „Enterprise“-Roadmap kann sinnvoll sein, aber nicht, wenn sie die ersten 6 Monate blockiert. Bei Neugründungen kann der Artikel selbstständig machen helfen, die wichtigsten Grundlagen einzuordnen.
Briefing-Check: 1 Seite reicht
Erstellen Sie ein einseitiges Briefing mit Ziel, Zielgruppe, Sortiment, Systemlandschaft, Budgetrahmen, Timing und Verantwortlichkeiten. Damit trennen sich seriöse Anbieter schnell von reinen „Schnellbau“-Angeboten.
Kompetenzen einer Shop-Agentur: Technik, UX, SEO und Betrieb
Die Auswahl einer Agentur gelingt am besten über Kompetenzfelder, nicht über Buzzwords. Prüfen Sie vier Bereiche: Plattformkompetenz, Nutzererlebnis, Sichtbarkeit und Betrieb. Plattformkompetenz heißt: Die Agentur kann begründen, warum ein System zu Ihnen passt, und kennt Grenzen. Wichtig sind auch Schnittstellen zu ERP, PIM, Versand, Payment, Newsletter und Tracking. Fragen Sie nach typischen Integrationen und wie sie Fehlerfälle behandeln, etwa abgebrochene Payment-Transaktionen oder falsche Bestände.
Beim Nutzererlebnis zählen Informationsarchitektur, Mobile-Optimierung und verständliche Produktkommunikation. Eine Agentur sollte nachweisen, dass sie mobile First denkt und Layouts auf echte Nutzungssituationen ausrichtet. Das Thema Responsive Webdesign ist hierfür ein guter Referenzpunkt, weil viele Conversion-Probleme schlicht aus schlechter mobiler Bedienbarkeit entstehen.
SEO ist im Shop-Kontext besonders anspruchsvoll: facettierte Navigation, Kategorien, Filter-URLs, interne Verlinkung, Duplicate Content durch Varianten, technische Performance. Eine gute Beratung klärt früh, wie URLs aufgebaut werden, wie Indexierung gesteuert wird und wie Content skaliert. Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, sind SEO-Fehler und Duplicate Content passende Vertiefungen.
Der vierte Bereich ist Betrieb: Updates, Monitoring, Sicherheit, Backups, Rollbacks und klare SLAs. Oft scheitern Shops nicht am Launch, sondern an fehlender Wartung. Klären Sie, ob die Agentur ein Wartungsmodell anbietet und wie sie auf Incidents reagiert.
Performance ist kein Extra
Ladezeit wirkt direkt auf Umsatz und SEO. Fragen Sie nach einem konkreten Vorgehen zur Messung und Optimierung und nutzen Sie als Basis den Artikel Was ist Page Speed?.
Referenzen richtig prüfen: Cases, Zahlen und Vergleichbarkeit
Referenzen wirken schnell überzeugend, sind aber nur dann hilfreich, wenn Sie sie richtig prüfen. Bitten Sie nicht nur um Logos, sondern um konkrete Case Studies: Ausgangslage, Ziel, Maßnahmen, Zeitraum, Teamsetup, eingesetzte Tools und Ergebnisse. Eine gute Agentur kann KPIs nennen, ohne Betriebsgeheimnisse zu verraten, etwa: „Checkout-Abbruch um X% reduziert“, „Umsatz pro Nutzer gesteigert“, „organischer Traffic in 6 Monaten erhöht“. Wichtig ist die Vergleichbarkeit: Eine Fashion-D2C-Marke ist nicht gleich ein B2B-Ersatzteilshop. Fragen Sie gezielt nach Projekten mit ähnlicher Komplexität, ähnlicher Systemlandschaft und ähnlichem Warenkorbwert.
Schauen Sie sich außerdem den Live-Shop an: Navigation, Suche, Filter, Produktdetailseiten, Ladezeit, Fehlerseiten, Mobile-Usability. Achten Sie auf saubere Weiterleitungen und sinnvolle Fehlerbehandlung. Eine optimierte Fehlerseite kann Umsatz retten, wenn Nutzer auf alte URLs landen. Hier passt der Beitrag 404-Seiten optimieren als Qualitätsmaßstab.
Ein unterschätzter Punkt ist die Zusammenarbeit im Projekt. Fragen Sie nach typischen Rollen (Strategie, UX, Development, Tracking, Content), nach der Seniorität und nach dem Anteil, der intern vs. extern umgesetzt wird. Lassen Sie sich erklären, wie die Agentur Entscheidungen dokumentiert, wie sie Prioritäten setzt und wie Feedbackschleifen aussehen. Wenn möglich, sprechen Sie mit einem Referenzkunden telefonisch: Wie zuverlässig war die Agentur? Wie transparent waren Budgets? Wie gut waren Übergaben nach dem Launch?
Red Flags in Referenzen
- Nur Design-Screenshots, keine Live-Beispiele
- Keine Aussagen zu Ergebnissen, nur „Launch erfolgreich“
- Unklare Rolle der Agentur, vieles war „Partnerleistung“
- Keine Aussagen zu Betrieb, Wartung oder Weiterentwicklung
Angebote und Kosten vergleichen: Leistungsumfang, Roadmap, Ownership
Beim Angebotsvergleich entscheidet selten der Endpreis, sondern die Klarheit des Leistungsumfangs. Seriöse Angebote trennen Beratung, Konzeption, Design, Entwicklung, Content, Tracking, QA, Launch und Betrieb. Sie enthalten Annahmen, Abhängigkeiten und ein Vorgehensmodell, etwa in Sprints. Vorsicht bei Pauschalangeboten ohne klare Abgrenzung, denn „nicht enthalten“ wird später teuer. Eine Orientierung für Budgets bietet der Artikel Was kostet eine Homepage?, auch wenn ein Shop oft komplexer ist, helfen die Denkmodelle zu Aufwandstreibern.
Fordern Sie eine grobe Roadmap mit Meilensteinen: Discovery, Prototyping, MVP, Beta, Launch, Optimierungsphase. Entscheidend ist, ob die Agentur Prioritäten begründet: Welche Maßnahmen kommen zuerst, weil sie den größten Impact haben? Welche können warten? So erkennen Sie, ob wirtschaftlich gedacht wird.
Klärungspunkt Nummer eins ist Ownership: Wem gehören Quellcode, Designs, Tracking-Setups, Konten und Lizenzen? Bestehen Sie darauf, dass Shop, Domain, Analytics und Werbekonten auf Ihr Unternehmen laufen. Wenn das Thema Domain-Grundlagen intern unsicher ist, hilft Was ist eine Domain? beim Einordnen. Ebenso sollten Sie klären, wie Zugänge verwaltet werden und wie ein Agenturwechsel möglich wäre, ohne den Betrieb zu gefährden.
Transparente Preislogik
Gute Angebote erklären, welche Seniorität in welchen Phasen arbeitet und wo Puffer eingeplant ist. Fragen Sie nach Stundensätzen, Paketlogik und Change-Request-Prozess, bevor Sie unterschreiben.
Wichtige Fragen im Erstgespräch: Prozess, Tools, Kommunikation
Ein Erstgespräch ist kein Smalltalk, sondern ein Audit: Wie denkt die Agentur, wie strukturiert sie Probleme, wie ehrlich ist sie bei Risiken? Starten Sie mit Prozessfragen: Wie läuft die Analysephase ab, welche Deliverables entstehen, und wie werden Entscheidungen getroffen? Gute Antworten enthalten konkrete Artefakte wie Ziel-KPI-Set, Trackingplan, Informationsarchitektur, Wireframes, Backlog und Testplan.
Fragen Sie nach Tools und Arbeitsweise: Projektmanagement (Jira, Asana), Kommunikation (Slack, Teams), Design (Figma), Dokumentation (Confluence, Notion), QA und Monitoring. Wichtig ist, dass Sie regelmäßige Reviews bekommen und Zugang zu zentralen Dokumenten haben. Klären Sie auch, wie die Agentur mit Content umgeht: Schreiben Sie selbst, liefert die Agentur Vorlagen, oder übernimmt sie Produkt- und Kategorietexte? Gerade im Shop sind klare CTAs ein Hebel, der oft unterschätzt wird. Der Beitrag Call to Action (CTA) bietet eine gute Basis, um über Mikrocopy und Buttons zielorientiert zu sprechen.
Ein weiterer Kernpunkt ist Testing. Fragen Sie, ob die Agentur Hypothesen formuliert und Tests sauber auswertet. Wenn A/B-Testing Teil des Plans ist, sollte klar sein, welche Tools genutzt werden, wie Signifikanz bewertet wird und wie Learnings dokumentiert werden. Als Einstieg passt A/B-Test (Split-Test).
Checkliste für Ihre Fragen
- Welche 3 größten Risiken sehen Sie in unserem Projekt und wie mitigieren Sie sie?
- Welche KPIs tracken Sie ab Tag 1 und wie wird gemessen?
- Wie sehen Ihre typischen Sprints und Abnahmeprozesse aus?
- Wer ist mein fester Ansprechpartner, und wie ist die Erreichbarkeit geregelt?
Vertrag, KPIs und Erfolgsmessung: So wird Beratung messbar
Onlineshop Beratung wird dann wertvoll, wenn Ergebnisse messbar sind. Definieren Sie daher vor Projektstart ein KPI-Set und legen Sie fest, wie gemessen wird. Typische KPIs sind: Conversion Rate, Umsatz pro Besucher, durchschnittlicher Bestellwert, Warenkorbabbruch, Checkout-Abbruch, Anteil wiederkehrender Käufer, organischer Traffic, Kosten pro Bestellung (nach Kanal) und Ladezeiten. Wichtig: Nicht jede Kennzahl ist gleichzeitig optimierbar, ohne Zielkonflikte. Eine gute Agentur priorisiert und erklärt Trade-offs.
Verankern Sie im Vertrag klare Deliverables: Auditbericht, Tracking-Konzept, Konzeptdokumente, Design-Dateien, Code-Repositories, Testprotokolle, Redirect-Listen, Schulungen. Legen Sie Abnahmebedingungen fest und definieren Sie, was als Change Request gilt. Ebenfalls wichtig: Datenschutz und Rollenverteilung beim Tracking. Klären Sie, wer für Consent-Management, Tagging und Datenqualität verantwortlich ist.
Für die Erfolgsmessung brauchen Sie saubere Grundlagen: korrekte Events, E-Commerce-Tracking, saubere Kanalzuordnung und ein Reporting, das Entscheidungen unterstützt. Achten Sie darauf, dass die Agentur nicht nur Reports verschickt, sondern Handlungsempfehlungen ableitet und Prioritäten setzt. Sinnvoll ist ein festes Optimierungsfenster nach Launch, in dem Hypothesen getestet und Quick Wins umgesetzt werden.
Steuerung über Review-Routinen
Bewährt haben sich zwei Takte: ein wöchentliches operatives Standup (Blocker, Status, nächste Schritte) und ein monatliches KPI-Review (Ergebnisse, Learnings, neue Prioritäten). So bleibt die Beratung nicht im Konzept stecken.
Typische Fehler bei der Agenturauswahl und wie Sie sie vermeiden
Viele Unternehmen wählen nach Bauchgefühl, Sympathie oder dem schönsten Design. Das rächt sich später, wenn Zeitpläne kippen oder wichtige Grundlagen fehlen. Ein häufiger Fehler ist, ohne sauberes Briefing anzufragen. Dann sind Angebote nicht vergleichbar, weil jede Agentur etwas anderes kalkuliert. Ein weiterer Fehler: Man entscheidet sich für eine Agentur, die nur den Launch kann, aber keine Weiterentwicklung. Shops sind niemals „fertig“, sondern brauchen Iteration, Wartung und Optimierung.
Ebenfalls kritisch ist die Unterschätzung von SEO und Informationsarchitektur. Wenn URL-Struktur, Filterlogik und interne Verlinkung nicht von Anfang an sauber geplant werden, entstehen Indexierungsprobleme und teure Relaunch-Korrekturen. Das gilt besonders, wenn Sie von einem alten System migrieren. Achten Sie darauf, dass die Agentur Redirects, Canonicals und Duplicate-Content-Risiken im Griff hat und dies auch erklären kann.
Ein weiterer Klassiker: fehlende Zuständigkeiten auf Kundenseite. Ohne Product Owner und schnelle Entscheidungen wird jedes Projekt zäh. Definieren Sie intern Verantwortliche für Sortiment, Content, Rechtliches, Tracking und Freigaben. Und: Prüfen Sie, ob Sie wirklich alle Zugänge besitzen. Wenn Hosting, Domain oder Analytics der Agentur „gehören“, wird ein Wechsel riskant.
Warnsignale, die ernst zu nehmen sind
- Vage Aussagen zu Aufwand, keine klaren Deliverables
- Kein Interesse an Ihren Zahlen, Margen, Zielgruppen
- „SEO machen wir später“ als Standardantwort
- Keine Wartung, keine Sicherheits- und Update-Strategie
Fazit: Die richtige Agentur für Onlineshop Beratung erkennen Sie an klarer Zielorientierung, nachvollziehbaren Prozessen und messbaren Ergebnissen. Nutzen Sie Briefing, Referenzprüfung und KPI-Definition, um Angebote vergleichbar zu machen und langfristig eine Partnerschaft aufzubauen, die Ihren Shop kontinuierlich besser macht.