Ein Wireframe ist die erste, greifbare Skizze einer digitalen Oberfläche. Er macht Seitenaufbau, Inhalte und Funktionen sichtbar, bevor Design, Texte und Programmierung viel Zeit kosten. In diesem Artikel lernst du, was ein Wireframe ist, welche Arten es gibt und wie du damit Websites und Apps effizient planst.
Wireframe: Definition und Zweck
Ein Wireframe ist ein vereinfachtes Layout einer Website, Landingpage oder App. Im Mittelpunkt stehen Struktur, Hierarchie und Funktion, nicht Farben, Bilder oder das finale Branding. Typischerweise werden Kästen, Linien und Platzhalter genutzt, um zu zeigen, wo Navigation, Überschriften, Textbereiche, Formulare, Buttons oder Medienblöcke sitzen. So lässt sich früh prüfen, ob eine Seite logisch aufgebaut ist und ob Nutzer schnell ans Ziel kommen.
Der Zweck ist vor allem: Entscheidungen früh treffen, Missverständnisse vermeiden und Anforderungen klar kommunizieren. Ein Wireframe ist damit ein gemeinsamer Referenzpunkt für Marketing, UX, Design und Entwicklung. Besonders bei komplexeren Projekten hilft er, Inhalte zu priorisieren: Was muss „oben“ stehen, was kann nach unten, welche Elemente sind optional?
Ein Wireframe beantwortet Fragen wie: Welche Inhalte gehören auf diese Seite? Welche Aktionen sind wichtig? Wie führen wir Nutzer durch die Seite? Genau hier zahlt sich das Konzept „Above the Fold“ aus: Im Wireframe kannst du früh festlegen, welche Kernbotschaft und welche Handlungsaufforderung sofort sichtbar sind.
Auch bei der Planung verschiedener Seitentypen ist ein Wireframe hilfreich, etwa wenn du zwischen Blog, Onepager oder Microsite abwägst. Wer noch Orientierung braucht, findet im Überblick zu Website-Typen passende Beispiele.
Wireframe vs. Mockup vs. Prototyp: die wichtigsten Unterschiede
Die Begriffe werden oft vermischt, meinen aber unterschiedliche Reifegrade. Ein Wireframe ist die strukturelle Blaupause. Ein Mockup ist die visuelle Ausgestaltung. Ein Prototyp ist die klickbare Simulation. Wer diese Unterschiede sauber trennt, spart Feedbackschleifen, weil alle Beteiligten wissen, worüber gerade entschieden wird.
Wireframe
Im Wireframe geht es um Informationsarchitektur, Layout und Nutzerführung. Texte sind häufig Platzhalter („Lorem ipsum“ oder kurze Stichworte), Bilder sind graue Boxen, Buttons tragen Funktionsnamen. Dadurch bleibt der Fokus auf dem, was funktionieren muss: Aufbau, Reihenfolge, Logik.
Mockup und Prototyp
Ein Mockup zeigt Farben, Typografie, Abstände, Icons und den Look im Corporate Design. Ein Prototyp verbindet mehrere Screens, sodass man Abläufe testen kann. Für Conversion-orientierte Seiten ist ein Prototyp ideal, um Varianten zu prüfen, bevor entwickelt wird. Dazu passt auch ein späteres A/B-Test (Split-Test) im Live-Betrieb, wenn genügend Traffic vorhanden ist.
Die Reihenfolge ist in vielen Projekten: Wireframe → Mockup → Prototyp → Umsetzung. Je nach Budget kann man Mockup und Prototyp kombinieren. Wichtig ist nur: Ein Wireframe ist kein „hässliches Design“, sondern ein bewusst reduziertes Werkzeug für schnelle, klare Entscheidungen.
Welche Arten von Wireframes gibt es?
Wireframes unterscheiden sich vor allem im Detailgrad. Je nach Projektphase und Zielgruppe wählst du eine passende Ausprägung. Ein Gründerprojekt braucht oft schnelle Skizzen, ein Relaunch mit vielen Stakeholdern eher präzisere Wireframes, damit Abstimmungen nicht ausufern.
Low-Fidelity-Wireframe
Low-Fi-Wireframes sind grob. Sie können auf Papier entstehen oder als einfache Kästchen in einem Tool. Ideal für frühe Workshops, wenn Anforderungen noch nicht stabil sind. Vorteil: Schnell, günstig, wenig Diskussion über „schön“. Nachteil: Weniger geeignet, um Details wie Abstände oder komplexe Interaktionen zu klären.
Mid- und High-Fidelity-Wireframe
Mid-Fi-Wireframes sind strukturierter: echte Überschriften, sinnvolle Platzhaltertexte, Raster, klare Komponenten (z. B. Teaser, Cards, Formularfelder). High-Fi-Wireframes gehen noch weiter und können bereits Komponentenbibliotheken, Zustände (Hover, Fehlerzustand) und responsive Varianten enthalten. Sie liegen nah am UI-Design, bleiben aber visuell neutral.
Gerade bei mobilen Layouts lohnt es sich, Wireframes für mehrere Breakpoints zu skizzieren. Das ergänzt sich gut mit dem Thema Responsive Webdesign, weil hier oft sichtbar wird, welche Inhalte auf kleinen Screens priorisiert werden müssen.
Warum Wireframes wichtig sind: Vorteile für Website und Conversion
Wireframes reduzieren Risiko. Sie helfen, Fehlentwicklungen zu vermeiden, die später teuer werden. Wenn Navigation, Seitenhierarchie oder Content-Module erst nach dem Design auffallen, kostet die Korrektur deutlich mehr, als wenn du es im Wireframe klärst.
Ein zentraler Vorteil ist die bessere Nutzerführung. Du planst bewusst, wie Besucher von Informationsinhalten zur Handlung gelangen. Dazu gehört die Positionierung von Buttons, Formularen und Vertrauenselementen. Wer sich mit Conversion Rate beschäftigt, erkennt schnell: Struktur ist oft wichtiger als „schöne Farben“.
Wireframes unterstützen außerdem die Content-Planung. Du siehst, welche Inhalte wirklich benötigt werden und welche „nice to have“ sind. Das erleichtert Briefings für Text und Bildproduktion und sorgt für ein konsistentes Seitenraster über mehrere Unterseiten hinweg. Für einzelne Seitentypen wie eine Landingpage ist das besonders wertvoll, weil dort jede Sektion eine klare Aufgabe erfüllen sollte.
Nicht zuletzt vereinfachen Wireframes die Zusammenarbeit: Entwickler verstehen Anforderungen schneller, Designer bekommen klare Prioritäten, Marketing kann Botschaften prüfen. Das spart Abstimmungszeit und macht Budgets planbarer, gerade wenn du dich fragst, was eine Homepage kostet und wie sich Aufwände reduzieren lassen.
So erstellst du einen Wireframe: Schritt-für-Schritt
Ein guter Wireframe entsteht nicht durch „Kästen malen“, sondern durch einen klaren Prozess. Ziel ist, die wichtigsten Nutzeraufgaben abzubilden und die Inhalte logisch anzuordnen. Gerade für Unternehmensseiten oder neue Projekte lohnt ein standardisiertes Vorgehen.
- Ziel und Nutzeraufgabe definieren: Was soll die Seite leisten? Anfrage, Kauf, Termin, Newsletter? Bei einer Unternehmensseite kann das z. B. Kontaktaufnahme oder Vertrauen sein. Kontext findest du auch bei Firmenwebsite.
- Inhalte sammeln und priorisieren: Welche Inhalte sind zwingend? Welche Beweise (Referenzen, Bewertungen) werden benötigt? Welche Fragen sollen beantwortet werden?
- Informationsarchitektur skizzieren: Hauptnavigation, Subpages, Seitentypen. Für die Seite selbst: Abschnitte in sinnvoller Reihenfolge.
- Layout in Blöcken zeichnen: Header, Hero, Nutzenargumente, Features, Social Proof, FAQ, Kontakt. Buttons und Formulare früh einplanen, inklusive Zustände (Fehler, Erfolg).
- Feedback einholen und iterieren: Erst intern, dann mit echten Nutzern oder Kunden. Iterationen sind normal und gewünscht.
Praktisch: Arbeite mit echten Beispielinhalten, sobald die Struktur steht. Das verhindert, dass der Wireframe später im Design „zusammenbricht“, weil reale Textlängen oder Bildformate nicht passen. Wenn du dir unsicher bist, welche Elemente auf eine Seite gehören, hilft der Überblick zu Bestandteilen einer Website.
Wireframes für verschiedene Seitentypen: Homepage, Landingpage, Shop
Je nach Seitentyp ändern sich Prioritäten. Ein Wireframe sollte daher immer vom konkreten Zweck der Seite ausgehen. Eine Homepage ist meist ein Einstieg und Verteiler. Eine Landingpage ist fokussiert auf eine Handlung. Ein Shop legt den Schwerpunkt auf Produktsuche, Produktdetail und Checkout.
Homepage
Bei der Homepage sind Klarheit und Orientierung entscheidend: Wer seid ihr, was bietet ihr, für wen ist es, wie geht es weiter? Der Wireframe sollte daher eine klare Navigationslogik, zentrale Einstiegsseiten und eine saubere Hierarchie zeigen. Häufig sind Module wie Leistungen, Branchen, Referenzen und Kontakt sinnvoll. Wenn du Grundlagen zur Notwendigkeit suchst, passt auch Warum brauche ich eine Website? als ergänzender Kontext.
Landingpage
Eine Landingpage reduziert Ablenkung. Im Wireframe planst du einen stringenten Argumentationsbogen: Problem, Lösung, Nutzen, Beweise, Angebot, CTA. Wichtig: Der CTA sollte mehrfach vorkommen, aber mit klarer Logik. Hilfreich ist der Artikel zu Call to Action (CTA), um Buttons, Formulierungen und Platzierungen sinnvoll zu gestalten.
Shop und Produktseiten
Bei Shops sind Filter, Vergleichbarkeit und Vertrauen zentral. Wireframes sollten Suchfunktion, Kategorien, Sortierungen, Produktkacheln sowie Produktdetail-Module (Bildergalerie, Varianten, Lieferinfo, Bewertungen) abbilden. Hier lohnt es sich, früh Interaktionsdetails zu skizzieren, weil sie die Umsetzung stark beeinflussen.
Tools für Wireframes: von Papier bis Figma
Für Wireframes brauchst du kein teures Setup. Entscheidend ist, dass dein Tool schnelles Iterieren und einfaches Teilen ermöglicht. Die Wahl hängt davon ab, wie viele Personen mitarbeiten, wie formell die Abstimmung ist und ob du später direkt in Design und Prototyping übergehen willst.
- Papier und Whiteboard: Perfekt für Workshops. Schnell, flexibel, ideal für Low-Fi. Fotos reichen oft, um Ergebnisse zu dokumentieren.
- Figma: Sehr verbreitet, gut für Komponenten, Teamarbeit und klickbare Prototypen. Wireframes lassen sich direkt in UI-Design überführen.
- Sketch / Adobe XD: Ebenfalls gängig, je nach Team-Stack. XD wird seltener genutzt, Sketch vor allem im Apple-Ökosystem.
- Balsamiq: Speziell für Wireframes, bewusst „skizzenhaft“, damit der Fokus auf Struktur bleibt.
Wenn du mit Website-Baukästen oder CMS arbeitest, ist der Wireframe trotzdem sinnvoll. Er verhindert, dass du dich zu früh in Templates verlierst. Für WordPress-Projekte kann ergänzend der Artikel Was ist ein WordPress Page Builder? helfen, weil Page Builder die späteren Layout-Möglichkeiten beeinflussen. Wichtig: Der Wireframe bleibt technologie-neutral, bis Anforderungen und Struktur stehen.
Häufige Fehler bei Wireframes und wie du sie vermeidest
Wireframes scheitern selten am Zeichnen, sondern an falschen Erwartungen und fehlenden Entscheidungen. Ein guter Wireframe ist eindeutig genug, um umgesetzt zu werden, und offen genug, um Designfreiheit zu lassen.
- Zu früh über Farben und Design diskutieren: Wenn Stakeholder über „schön“ sprechen, ist der Wireframe zu detailliert oder die Zielsetzung nicht klar. Halte ihn bewusst neutral.
- Keine klare Priorisierung: Wenn alles gleich wichtig ist, wird die Seite überladen. Lege pro Sektion ein Ziel fest und streiche konsequent.
- Platzhalter ohne Realitätscheck: Unrealistisch kurze Texte oder „Symbolbilder“ führen später zu Layoutproblemen. Nutze früh echte Textlängen und typische Bildformate.
- Fehlende Mobile-Variante: Wer nur Desktop wireframet, merkt zu spät, dass Kerninhalte mobil nicht funktionieren. Plane mindestens eine mobile Ansicht.
- CTA und Conversion-Pfade vergessen: Ein Wireframe ohne klare Handlungslogik bleibt nur eine hübsche Struktur. Baue CTAs, Kontaktwege und Vertrauenselemente gezielt ein.
Als Qualitätscheck hilft eine einfache Frage: Findet ein neuer Besucher innerhalb von 10 Sekunden heraus, was er hier tun soll? Wenn nicht, passe Hierarchie, Überschriften und Modulreihenfolge an. Für datenbasiertes Optimieren können später Tools wie ein Heatmap-Tool zeigen, wo Nutzer tatsächlich klicken oder hängen bleiben, aber die Grundlage dafür legst du schon im Wireframe.
Fazit: Ein Wireframe ist das wichtigste Planungsdokument zwischen Idee und Umsetzung. Er macht Struktur, Nutzerführung und Inhalte früh sichtbar, reduziert Kosten und verbessert die Basis für Design, Entwicklung und Conversion. Wenn du ihn konsequent als Entscheidungswerkzeug nutzt, werden Websites klarer, schneller umsetzbar und messbar erfolgreicher.